Völzkow

Die Einweihung der neuen Kirche in Völzkow

als „Die modernste Dorfkirche Pommerns“ *)

Am 17. Dezember 1933 (3. Adventssonntag) hatte die Kirchengemeinde Völzkow-Kusssenow einen festlichen Tag, wie ihn nicht jedes Geschlecht erlebt hat. Das neue Gotteshaus wurde durch die Einweihung feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Blick auf die 1933 erbaute Völzkower Kirche, Bild wahrscheinlich aus dem Jahr 1940

Davor hatte die Gemeinde ungefähr sieben Jahre hindurch keine eigentliche Gottesdienststätte. Die Schulräume in Völzkow und Kussenow sowie ein Raum in einem Völzkower „Privathaus“ dienten als Ersatz; aber diese Ersatzräume entbehrten aller Erfordernisse, die man an einen „Feierraum“ stellen muss, wenn sie auch von lieben Händen oft dankenswerterweise festlich hergerichtet waren. So war in der Gemeinde stets der Wunsch lebendig, ein neues Gotteshaus zu haben. Die Ungunst der Verhältnisse wirkte auf das Bauvorhaben hemmend. Aber auch hier bewahrheitete sich das Wort:

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Nach langen Verhandlungen über die Gestaltung der neuen Kirche und über die Geldbeschaffung, konnte endlich im Mai 1931 anläßlich der Generalkirchenvisitation der Grundstein durch den Generalsuperintendenten Dr. Kalmus gelegt werden. Jedoch der Baubeginn verzögerte sich noch etwa zwei Jahre. Erst im Frühjahr 1933 konnte mit dem Bau begonnen werden. Und auch während des Baues mussten die Arbeiten noch zweimal auf Anordnung des Preußischen Hochbauamtes Köslin stillgelegt werden. Aber nun war das Werk vollendet, und dankbar hat die Gemeinde die Einweihung gefeiert. Entwurf und Bauleitung für die neue Kirche lagen bei dem Architekten B. D. A. Richard Werringsholz, aus Stettin, in guten Händen. Er ist in unserem Kreise schon durch mancherlei Arbeiten hervorgetreten:

Altersheim in Belgard, Turnhalle in Lankow, Siedlungen in Polzin und Landjägerhaus Technow. Mit seinem Verständnis hat er ein schlichtes Gotteshaus geschaffen, von dem trotz seiner Einfachheit mit Recht gesagt wurde, es sei „die modernste Dorfkirche Pommerns.“ Das äußere Mauerwerk wurde in verzogenen Klinkern aus Falkenburg ausgeführt. Der Dachreiter, der zur Aufnahme von zwei Glocken (einer vorhandenen kleinen und einer größeren neuen) dient, ist in Holz gearbeitet und mit Kupfer verkleidet. Das Dach ist als Kronendach mit gebrannten Biberschwänzen eingedeckt. Im Innern dürften von besonderem Interesse Altar, Taufstein und Kanzel sein, die in Klinkern kleinen Formats gemauert wurden. Die Decke, die nicht nur Decke, sondern auch isolierender Abschluss gegen den kalten Dachboden sein muss, ist mit einer bewährten Isolierplatte verkleidet, die in ihrer natürlichen Farbe belassen wurde. Die Bänke sind ebenso wie die Deckenbalken in Tanne dunkel gebeizt und wirken in der einfachen Form und Holzstruktur sehr überzeugend. Unter den Bänken ist Holzfußboden, die Gänge sind mit Klinkern ausgelegt. Nicht unerwähnt bleiben darf der Boden der Altarnische, für den die alten und immer wieder wie neu wirkenden Solnhofer Platten verwendet wurden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass alle Details, Beleuchtung, Türen, Treppe und nicht zuletzt die Farbgabe im gleichen Sinne einfach, schlicht und werkgerecht unter Verwendung solider Materialien ausgeführt worden sind. Dieser Kirchenraum sollte nicht nur das Gotteshaus der jetzt Lebenden sein, sondern noch Jahrhunderte Zeuge für die Tat einer kleinen Gemeinde in einer schweren Notzeit und im Jahre deutschen Erwachens 1933 sein. Durch den Bau hat die Gemeinde Völzkow-Kussenow zahlreichen Arbeitern auf Wochen Verdienst und Brot gegeben, hat Arbeit beschafft und damit praktisch die Forderung unserer Regierung erfüllt. Auch der Bauausführenden sei gedacht, die alle mit großer Sorgfalt und viel Liebe gearbeitet haben.

Die Maurerarbeiten lagen in den Händen des Bauunternehmers August DEHNEL, Schivelbein; die Zimmerarbeiten besorgte Zimmermeister LÜDTKE, Schivelbein; die Dachdeckerarbeiten waren der Firma ZEMKE, Schivelbein, übertragen; alle Tischlerarbeiten führte Tischlermeister REDELL, Labenz, aus, er wurde bei den Glasarbeiten von Glaser BUNN, Schivelbein, unterstützt. Den Pinsel führte Maler RICHARD, Schivelbein. Die Klempnerarbeiten, zu denen auch die Eindeckung des Dachreiters gehört, fertigte Klempnermeister KASKE, Schivelbein. Die Firma FISCHER & DUMMER, Schivelbein, legte die Blitzableiter an sowie die elektrischen Leitungen, sie besorgte auch die Beleuchtungskörper. Die Kunstschmiedearbeiten (Jahreszahl und Inschrift) lieferte der Kussenower Schmied DREWS. Die Heizungsanlage erstellte die Firma MINTZLAFF, Stettin. Die Orgel ist ein Werk der ostpreußischen Orgelbauanstalt Ed. WITTEK, Elbing. Die neue Glocke wurde bei Fa. SCHILLING, Apolda, gegossen.

Die Einweihungshandlung wurde von dem Leiter unseres Kirchenkreises, Superintendent FRIEDEMANN aus Schivelbein, vollzogen, weil der Bischof von Cammin am Kommen verhindert war. Blanker Sonnenschein lag über dem winterlichen Dorf, als sich vor der alten Schule eine große Festgemeinde versammelte. Pastor GAUGER sprach Abschiedsworte. Dann ging es in festlichem Zuge zum neuen
Gotteshaus. Voran schritten die Kirchenältesten, die auch die Altargeräte trugen. Dann folgte die Geistlichkeit der Synode im Ornat, geführt von dem Superintendenten, der die vom Ortsgeistlichen gestiftete Altarbibel trug. Unter den Gästen bemerkte man den früheren Landrat des Kreises
Schivelbein, SCHUELKE, vermisst wurde dagegen der stellvertretende Landrat des Kreises Belgard. Mit Segenswünschen überreichte der Bauleiter den Schlüssel. Der Ortspfarrer öffnete die Kirche.

Pastor GAUGER (von 1927-1945 Pastor der Kirchgemeinde Venzlaffshagen)

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ sang die Gemeinde. Superintendent FRIEDEMANN und die Pastoren KAMECKE und JACOBS verlasen
Bibelworte, ehe die Weihehandlung vollzogen wurde. Seiner Weiherede legt Superintendent FRIEDEMANN Worte aus dem Anfang des Johannisevangeliums zu Grunde; sie gipfelte in dem Wunsche, dass dieses Gotteshaus allzeit ein Vaterhaus sein möge, in dem die Kinder immer wieder vertrauensvoll mit dem sprechen, der hier zu ihnen kommt, mit ihrem Gott. Dann folgte das Weihegebet. Damit wurde der neue Bau als Gotteshaus geweiht und in den Dienst Gottes gestellt. Feierlich klangen die Glocken vom Turm, Orgelton mischt sich in ihren Klang und feine Kinderstimmen sangen: „Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr …“ Die Gemeinde aber bekannte zum ersten Male an
geweihter Stätte ihren christlichen Glauben. Die Festpredigt hielt Pastor GAUGER über Worte aus Lukas 24, 29:
„Bleibe bei uns!“
Das sind Worte, die als Gebet an der Ostseite der Kirche in eisernen Lettern stehen.

 

Zuerst Worte des Dankes an alle, die am Werke gestanden. Und der Dank gegen Menschen wird Dank gegen Gott. Gott danken, nicht nur mit dem Munde, die Tat soll stets im Vordergrund stehen, nicht das Wort. Das sei unser Dank für dieses Gotteshaus: an jedem Sonn- und Feiertag mindestens einer aus jeder Familie zur Kirche.
„Bleibe bei uns!“
Diese Bitte ist bitter not; denn wir brauchen unseren Gott, unseren Vater: An seinem Segen ist alles gelegen. Wir brauchen den Heiland, seinen Sohn; denn wir können uns selbst nicht erlösen. Deshalb das hohe Kreuz über dem Altar, das Erlösungszeichen. Wir brauchen seinen Geist, den Geist der Liebe und des gegenseitigen Vergebens, den Geist der Einheit und gesammelten Kraft, um Gemeinde zu werden.

„Nun danket alle Gott …“, so klang es nach Gebet und Segen aus. Am Nachmittag war bei dem liturgischem Gottesdienst das Kirchlein wieder dicht besetzt, und jeder freute sich den Kirchraum, der beleuchtet, noch feierlicher wirkte. Möchten doch alle Gebete erhört werden, die bei der Einweihung gesprochen wurden, möchten viele der guten Wünsche in Erfüllung gehen.

Mit Völzkow war Kussenow bis 1945 zu einer Kirchengemeinde verbunden. Die Kirche stand in Völzkow. Die Gemeinde gehörte mit der Kirchengemeinde Briesen und Venzlaffshagen zum Kirchspiel Venzlaffshagen im Kirchenkreis Schivelbein der Kirchenprovinz Pommern in der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.

 

Über die Völzkower Kirche:

Die Völzkower Kirche war eine „Filia“, eine Tochter der Kirche zu Venzlaffshagen. Taufen, Trauungen und Bestattungen wurden für die Orte Venzlaffshagen, Kussenow, Briesen und Völzkow in einem Kirchenbuch zusammengefasst. Es existieren noch die Kirchenbücher, 1711 – 1766, ein Taufbuch 1896-1944 und ein Sterbebuch 1876-1945.

Die alte barocke Fachwerkkirche des Dorfes wurde 1926 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Zum Kircheninventar gehörte ein 20,5cm hoher Kelch aus geriebenem Silber aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Unter dem sechsteiligen Fuß nennt sich, wie auf dem Kelch von 1633 in Venzlaffshagen der Pfarrer Esaias ROSSOW, der von 1614 – 1667 in Venzlaffshagen wirkte. (siehe Hans MODEROW, „Die evangelischen Geistlichen Pommerns“. Außerdem gehörten ein paar Altarleuchter aus Messingguss aus dem 17. Jahrhundert zum Kircheninventar. Auf der 60cm im Durchmesser und 1737 in Kolberg gegossenen Glocke war die Inschrift „Cussenowsche Glocke Anno 1737“ zu lesen.

Am 17.12.1934 wurde die neue Kirche eingeweiht. Das äußere Mauerwerk besteht aus verzogenen Klinkern. Das Dach wurde als Kronendach aufgezogen und mit gebrannten Biberschwänzen gedeckt. In dem hölzernen, mit Kupfer verkleideten Dachreiter wurden die Glocke von 1737 und eine größere Neue aufgehängt.

1939 wird berichtet, dass sich in der Kirche noch gut erhaltene Meßgewänder der katholischen Priester befinden, welche einst vor der Reformation hier gepredigt hätten.

Bilder der Völzkower Kirche aus dem Jahr 2018

„Der Sage nach sollen im nahe gelegenen Völzkower See Glocken versenkt worden sein, die wie in Vineta bei heiterem Wetter bis in den Ort hinauf klingen.“

(Quellen: Über den Neubau der Kirche, zusammengetragen, Text Vermutlich aus dem Gemeindeblatt der Synode Schivelbein; auch der Verfasser ist nicht bekannt, sehr wahrscheinlich hat der Pastor der Gemeinde den Beitrag geschrieben. Informationen über die Kirche, aus „Der Kreis Belgard“, Seite 560. Bilder stammen aus der privaten Sammlung von Tino Runge)